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IT-Betreuung

Cloud-Migration für KMU: Ablauf, Kosten und typische Fehler

Bünyamin Pollin

Bünyamin Pollin

Geschäftsführung & Technische Leitung

Aktualisiert 8 Min Lesezeit

Eine Cloud-Migration läuft in fünf Phasen: Bestand erfassen, für jede Anwendung eine Strategie wählen, Zielumgebung und Verträge festlegen, testweise umziehen, dann umstellen und die Altsysteme abschalten. Wie lange das dauert, hängt weniger von der Datenmenge ab als von der Zahl der Abhängigkeiten zwischen Ihren Anwendungen.

Die meisten Pannen passieren vor und nach dem eigentlichen Umzug. Vorher, weil niemand vollständig weiß, welche Anwendung mit welcher Daten austauscht. Nachher, weil die monatliche Rechnung anders aussieht als geplant. Laut Bitkom Cloud Report 2026 sind bei 64 % der Cloud-nutzenden Unternehmen die Betriebskosten 2025 gestiegen, bei 19 % stark.

Was heißt Cloud-Migration für ein KMU?

Cloud-Migration bedeutet, Anwendungen, Daten oder ganze Server aus dem eigenen Serverraum zu einem externen Betreiber zu verlagern. Das Ziel kann ein großer Public-Cloud-Anbieter sein, ein virtueller oder dedizierter Server bei einem Hoster in Deutschland oder fertige Software aus der Cloud (SaaS), etwa Microsoft 365 statt eines eigenen Exchange-Servers.

Die meisten KMU landen bei einer Mischung. Mail und Office laufen als SaaS, die Warenwirtschaft auf einem gemieteten Server, eine alte Spezialanwendung bleibt vorerst im Haus. Das ist eine Hybrid-Cloud, und sie ist ein legitimes Endziel. Laut Bitkom nutzen 86 % der Unternehmen ab 20 Beschäftigten Cloud-Dienste, Private Cloud (64 %) häufiger als Public Cloud (53 %).

Ablauf: die fünf Phasen einer Cloud-Migration

  1. Bestand erfassen

    Liste aller Server, Anwendungen, Datenbanken, Schnittstellen und Lizenzen. Pro Anwendung: Wer nutzt sie, welche Daten liegen darin, mit welchen Systemen tauscht sie Daten aus, wie lange darf sie ausfallen. Ohne diese Liste planen Sie blind.

  2. Strategie pro Anwendung wählen

    Nicht jede Anwendung zieht gleich um. Manche wandern unverändert, manche werden durch SaaS ersetzt, manche abgeschaltet. Die Tabelle unten zeigt die sieben Optionen.

  3. Zielumgebung und Verträge festlegen

    Standort der Rechenzentren, Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO, SLA, Backup-Umfang, Exportformat, Kündigungsregeln. Was nicht im Vertrag steht, verhandeln Sie später unter Zeitdruck nach.

  4. Testmigration mit einer unkritischen Anwendung

    Eine Anwendung zuerst umziehen, Leistung messen, Restore testen. Hier fallen vergessene Abhängigkeiten auf: der Scanner, der auf eine Netzwerkfreigabe schreibt, oder die Lizenz, die an die alte Hardware gebunden ist.

  5. Umstellen und abschalten

    Umstellung in einem vereinbarten Wartungsfenster, mit schriftlichem Rückfallplan. Die Altsysteme laufen eine festgelegte Zeit parallel und werden dann abgeschaltet. Wer das Abschalten vergisst, zahlt doppelt.

Welche Migrationsstrategie passt zu welcher Anwendung?

AWS beschreibt sieben Strategien, bekannt als die „7 Rs“. Die Begriffe stammen von einem Hyperscaler, lassen sich aber auf jede Zielumgebung übertragen.

Tabelle 1: Strategie, Was passiert, Passt, wenn …
StrategieWas passiertPasst, wenn …
Rehost (Lift & Shift)Server zieht unverändert umdie Anwendung stabil läuft und der Serverraum schnell leer werden soll
RelocateVirtualisierte Umgebung wandert auf dieselbe Plattform beim AnbieterSie bereits virtualisiert arbeiten und nichts umbauen wollen
ReplatformUmzug mit gezielten Anpassungen, z. B. Datenbank als verwalteter DienstSie Betriebsaufwand senken wollen, ohne die Anwendung neu zu schreiben
RefactorAnwendung wird für den Cloud-Betrieb umgebautdie Anwendung ohnehin an Grenzen stößt; laut AWS die komplexeste und teuerste Variante
RepurchaseWechsel auf eine SaaS-Lösunges um Standardprozesse geht, etwa Mail, CRM oder Buchhaltung
RetainAnwendung bleibt vorerst im HausSpezialhardware im Spiel ist oder das System gerade erneuert wurde
RetireAnwendung wird abgeschaltetsie niemand mehr braucht

AWS empfiehlt bei größeren Vorhaben, erst umzuziehen und danach zu modernisieren. Für KMU gilt dieselbe Logik. Ein Projekt, das Plattform und Anwendung gleichzeitig ändert, hat zwei Fehlerquellen, und bei einer Störung wissen Sie nicht, welche es war.

Was kostet eine Cloud-Migration?

Die Kosten fallen in zwei Blöcken an. Einmalig für Analyse, Umzug, Tests und Parallelbetrieb. Laufend für den Betrieb danach, und dieser zweite Block wird in Angeboten gern kleingerechnet.

Tabelle 2: Kostenblock, Art, Worauf Sie achten sollten
KostenblockArtWorauf Sie achten sollten
Bestandsaufnahme und PlanungeinmaligAufwand steigt mit der Zahl der Schnittstellen, weniger mit der Zahl der Server
Umzug und TestseinmaligTestmigration und Rückfallplan gehören ins Budget
Parallelbetriebeinmalig, befristetEnddatum für die Altsysteme vorher festlegen
Rechenleistung und Speicherlaufendnach gemessener Last dimensionieren, nicht nach der alten Hardware
Datenverkehr und BackuplaufendTraffic und Backup-Speicher werden je nach Anbieter extra berechnet
LizenzenlaufendLizenzbedingungen der Softwarehersteller für den Cloud-Betrieb prüfen
BetrieblaufendPatches, Monitoring, Benutzerverwaltung: jemand muss es tun, intern oder extern

Einen späteren Anbieterwechsel regelt der EU Data Act (Verordnung (EU) 2023/2854). Nach Art. 29 dürfen Cloud-Anbieter bis zum 12. Januar 2027 nur ermäßigte Wechselentgelte verlangen, die ihre direkten Kosten des Wechsels nicht übersteigen. Ab dem 12. Januar 2027 sind Wechselentgelte ganz untersagt. Ihr eigener Aufwand für Export, Tests und Umstellung bleibt trotzdem.

Acht typische Fehler bei der Cloud-Migration

  1. Ohne Inventar starten. Die vergessene Schnittstelle fällt erst nach der Umstellung auf, oft bei einem Prozess, der nur einmal im Monat läuft.
  2. Nach alter Hardware dimensionieren. Ein Server, der vor Jahren großzügig gekauft wurde, ist in der Cloud dauerhaft zu groß und zu teuer. Messen Sie die tatsächliche Last über einige Wochen.
  3. Nur Rechenleistung kalkulieren. Traffic, Backup-Speicher, Lizenzen und Betriebsaufwand fehlen dann in der Rechnung.
  4. Backup ungeprüft dem Anbieter überlassen. Klären Sie schriftlich, was gesichert wird, wie lange und wie ein Restore abläuft. Die 3-2-1-Regel gilt in der Cloud genauso.
  5. Ohne Rückfallplan umstellen. Wer nicht weiß, wie er innerhalb weniger Stunden auf das alte System zurückkommt, sollte nicht umstellen.
  6. Datenschutz nachträglich prüfen. AV-Vertrag, Standort und Unterauftragnehmer gehören vor die Unterschrift. Für Übermittlungen in Drittstaaten gelten Art. 44 ff. DSGVO.
  7. Altsysteme weiterlaufen lassen. Ohne festes Abschaltdatum laufen Serverraum und Cloud parallel, und Sie zahlen beides.
  8. Den Ausstieg nicht regeln. 59 % der Cloud-Nutzer nennen Lock-in-Effekte als größtes Hindernis für einen Anbieterwechsel (Bitkom 2026). Exportformat und Kündigungsfristen gehören in den Vertrag.

Datenschutz und Standort: was vor Vertragsabschluss geklärt sein muss

Bei der Anbieterwahl stehen Sicherheitsfragen vorn. Im Bitkom Cloud Report 2026 nennen 95 % der Unternehmen Vertrauen in IT-Sicherheit, Datenschutz und Compliance als Muss-Kriterium, 57 % den Standort der Rechenzentren. 91 % würden Anbieter aus Deutschland bevorzugen. Tatsächlich genutzt werden sie von 53 %.

  • Wo stehen die Rechenzentren, und wo hat das Unternehmen seinen Sitz, das sie betreibt?
  • Liegt ein AV-Vertrag nach Art. 28 DSGVO vor, mit Liste der Unterauftragnehmer?
  • Werden Daten in Drittstaaten übermittelt, und auf welcher Rechtsgrundlage?
  • Wie werden Daten bei Übertragung und Speicherung verschlüsselt?
  • Wie lange werden Backups aufbewahrt, und wer kann einen Restore auslösen?
  • In welchem Format erhalten Sie Ihre Daten bei Vertragsende, und wann werden sie gelöscht?

Wie Visgenix Cloud-Migrationen umsetzt

Visgenix plant Cloud-Migrationen in der IT-Beratung für Netzwerke und Server: Bestandsaufnahme, Server-Konsolidierung, Hybrid-Cloud-Konzept und der Umzug selbst. Empfehlungen folgen dokumentierten Kriterien. Visgenix arbeitet mit AWS, Microsoft Azure, Google Cloud und Hetzner.

Soll das Ziel ein Server in Deutschland sein, betreibt Visgenix ihn selbst: Hosting in ISO-zertifizierten Rechenzentren in Frankfurt am Main, AV-Vertrag nach Art. 28 DSGVO inklusive. vServer kosten zwischen 8,99 €/Monat (visBasic, 1 vCore, 4 GB RAM) und 61,19 €/Monat (visEnterprise, 6 vCores, 32 GB RAM). Alle Hosting-Produkte, auch Dedicated Server und Cloud, laufen mit 99,9 % SLA-Uptime.

Patch-Management, 24/7-Monitoring und tägliche Backups sind im Hosting enthalten. Die Migration zu Visgenix-Hosting ist kostenlos. Nach dem Umzug bleibt ein fester Ansprechpartner für den Betrieb zuständig, damit die neue Umgebung in fünf Jahren noch funktioniert.

  • Wie lange dauert eine Cloud-Migration für ein KMU?

    Das hängt von der Zahl der Anwendungen und ihrer Abhängigkeiten ab, weniger von der Datenmenge. Ein einzelner Webserver ist schnell umgezogen. Eine gewachsene Umgebung mit Warenwirtschaft, Dateiserver und Schnittstellen braucht erst eine Bestandsaufnahme und einen Testlauf, bevor ein belastbarer Zeitplan möglich ist.

  • Ist die Cloud günstiger als der eigene Server?

    Nicht automatisch. Sie sparen Hardware, Strom und Serverraum, zahlen aber laufend für Leistung, Speicher, Traffic und Betrieb. Bei 64 % der Cloud-Nutzer sind die Betriebskosten 2025 gestiegen (Bitkom Cloud Report 2026). Rechnen Sie mit gemessener Last und allen laufenden Posten.

  • Dürfen personenbezogene Daten in die Cloud?

    Ja, wenn die Anforderungen der DSGVO erfüllt sind: AV-Vertrag nach Art. 28, geeignete technische Schutzmaßnahmen und bei Übermittlungen in Drittstaaten eine Grundlage nach Art. 44 ff. DSGVO. Ein Rechenzentrum in Deutschland mit Betreiber in der EU vereinfacht die Prüfung.

  • Was kostet ein späterer Anbieterwechsel?

    Nach Art. 29 EU Data Act dürfen Cloud-Anbieter bis zum 12. Januar 2027 nur ermäßigte Wechselentgelte in Höhe ihrer direkten Kosten verlangen, ab dann keine mehr. Ihr eigener Aufwand für Export, Tests und Umstellung bleibt.

  • Muss alles auf einmal umziehen?

    Nein. Üblich ist ein Umzug in Wellen, beginnend mit einer unkritischen Anwendung. Manche Systeme bleiben bewusst im Haus, etwa wenn sie an Spezialhardware hängen.

Quellen

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Cloud & HostingMigrationDSGVO
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